Soll nun wirklich alles digital sein?
Modelle, wie bspw. das oft zitierte SAMR-Modell, versuchen aufzuzeigen, ob und wann eine neue bisher nicht mögliche didaktische Variante durch den Einsatz digitaler Werkzeuge erreicht werden kann.
Ruben Puentedura unterscheidet in seinem Modell vier Ebenen. Substitution (Ersetzung), Augmentation (Erweiterung), Modification (Änderung), Redefinition (Transformation).
Betrachten wir unser Beispiel, so wurde das Arbeitsblatt zum Ausfüllen digital angeboten. Grundsätzlich nur ein Ersetzen des analogen Angebotes durch ein digitales ohne eine funktionale Erweiterung.
Beim Ausfüllen des Arbeitsblattes auf dem Computer haben wir eine erweiterte Funktionalität zur Verfügung. So kann bspw. die Rechtschreibfunktion unterstützen oder Schülerinnen und Schüler könnten dank digitaler Möglichkeiten ja auch gemeinsam an demselben Dokument arbeiten.
Dasselbe beim Leseblatt. Grundsätzlich ein Ersetzen. Digital können wir jedoch verschiedene Gestaltungsvarianten einfach mal ausprobieren, was mit dem analogen Angebot umständlicher ist.
Zum besseren Textverständnis haben wir den Lernauftrag mit einer Audio-Datei angereichert. Die Technik ermöglicht uns dies.
Das Arbeitsblatt könnten wir aber auch durch künstliche Intelligenz ausfüllen lassen. Die Schülerinnen und Schüler sollen den Inhalt überarbeiten. Also eine völlig neuartige Aufgabe, die bis anhin kaum möglich war.
Das an sich sehr hilfreiche Modell darf auch kritisch hinterfragt werden. Das Problem beim SAMR-Modell ist die Vorstellung, dass vor dem Aufkommen digitaler Tools keine Medien eingesetzt worden sein sollen. Dies ist ein Denkfehler, da Papier, Kugelschreiber, Zirkel Massstab u. a. ebenfalls Werkzeuge sind, die einen bestimmten Zweck erfüllen und von den Lehrpersonen, mehr oder weniger reflektiert, im Lehr- und Lernprozess eingesetzt werden. SAMR ist jedoch ein interessantes Modell, um alle eingesetzten Medien, die analogen wie auch die digitalen, in eine didaktische Bandbreite einzuordnen.
Der Einsatz digitaler Unterrichtsmaterialien ist in jeder Etappe des Lernprozesses möglich und sinnvoll. Als Lehrperson kannst du autonom entscheiden, welcher Methode du in welcher Unterrichtssituation den Vorrang gibst und mit welcher die gesetzten Lernziele am besten erreicht werden können. Die methodisch-didaktische Überzeugung, wie ein Lernziel erreicht oder eine Kompetenz erlangt werden kann, sollte im Hauptfokus stehen und nicht von einem Werkzeug geleitet sein.
Das SAMR-Modell eignet sich hervorragend dazu, eine Denkweise zu vermitteln, dass ein Lernziel auch mit der gezielten Unterstützung eines digitalen Gerätes erreicht werden kann. Zudem ermutigt es, die bisherigen Aufgabenstellungen zu überdenken, weil durch digitale Möglichkeiten neue Szenarien umgesetzt werden können.
Im nächsten Abschnitt stellen wir eine kleine Auswahl an Werkzeugen vor, welche sich zur Erstellung von interaktiven Unterrichtsmaterialien in den unterschiedlichsten Themengebieten eignen. Du kennst die Lernziele und ermöglichst den Schülerinnen und Schülern, diese zu erreichen. Erweitere mit folgender Auswahl dein Repertoire an Möglichkeiten.
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